Infektionen auf den Grund gehen

Prof. Dr. Jörg Vogel baut in Würzburg ein neues Institut der Helmholtz-Gemeinschaft auf

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Prof. Dr. Jörg Vogel ist kürzlich auch vom US-amerikanische Medienunternehmen Thomson Reuters mit dem Prädikat „häufig zitierter Forscher“ betitelt worden. Diese Auszeichnung bedeutet, dass Arbeiten des Würzburger Uni-Professors weltweit außergewöhnlich stark beachtet und zitiert werden. Foto: Universität Würzburg

Die Einrichtung ist wichtig für die Hochschule, attraktiv für Wissenschaftler und von großer Bedeutung für die gesamte Region: Die Helmholtz-Gemeinschaft ist gerade dabei, in Würzburg ein neues Institut aufzubauen. Dort sollen in Zukunft Infektionskrankheiten erforscht und neue Therapieansätze entwickelt werden. Gründungsdirektor ist der kürzlich mit dem Leibniz-Preis („deutscher Nobelpreis“) ausgezeichnete Infektionsbiologe Prof. Dr. Jörg Vogel.

„Von der Entscheidung der Helmholtz-Gemeinschaft wird der Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort maßgeblich profitieren“, betont der Professor. Damit komme endlich ein in der Medizin und den Lebenswissenschaften langersehntes außeruniversitäres Institut nach Würzburg. Forscher und Hochschulpolitiker aus der Region haben eine solche Einrichtung nach Vogels Worten seit vielen Jahren vermisst.

Weil es in der Region kaum außeruniversitäre Forschungseinrichtungen als Kooperationspartner der Hochschule gibt, scheiterte bereits vor zehn Jahren die Bewerbung der Uni bei der Exzellenzinitiative. Auch in den darauf folgenden Bewerbungsrunden schnitt Würzburg stets mäßig bis schlecht ab. Das neue Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) stärke das außeruniversitäre Umfeld. „Wir können davon ausgehen, dass durch die enge Wechselwirkung mit dem Zentrum für Infektionsforschung ein international einmaliger Knotenpunkt für Forschung auf diesem Gebiet entsteht“, betont der Wissenschaftler.

Im Mittelpunkt steht die Rolle der Ribonukleinsäure (RNA) bei bakteriellen und viralen Infektionen. „Die Bedeutung von RNA-Molekülen in Infektionsprozessen wurde bis vor kurzem unterschätzt“, erläutert Vogel. Inzwischen sei bekannt, dass RNA-Moleküle mit vielen anderen Molekülen der Wirtszelle und der Krankheitserreger interagieren.

„Im HIRI wollen wir diese Interaktionen mit neuesten Technologien detailliert untersuchen und so zum Beispiel neue Zielstrukturen für Therapien identifizieren“, erklärt der RNA-Experte. Das gilt besonders für chronische Infektionen. Aber auch Infektionen, die zum Beispiel bei der Krebstherapie auftreten, haben die Forscher im Blick.

Das HIRI wird laut Prof. Vogel sehr eng mit der Uni verknüpft sein: „Sowohl in der Forschung als auch bei der Lehre.“ Um die Ausbildung zu verbessern, soll mit der Chemie und der Biologie ein neues Graduiertenprogramm im Bereich RNA-Biologie aufgelegt werden. Auch wurden erste gemeinsame Forschungsprojekte auf den Weg gebracht. Sie betreffen die Einzelzell-Analyse sowie die Entwicklung neuer Infektionsmodelle: „Zum Beispiel Mini-Organe.“

Zudem sollen leitende Forscher am HIRI auch als Professoren an die Universität berufen werden. Umgekehrt werden Uniprofessoren ans HIRI angebunden. Vogel: „Ich selbst bleibe Professor am Institut für Molekulare Infektionsbiologie, auch wenn ich als Gründungsdirektor den Aufbau des HIRI vorantreibe.“

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