Harte Schale – gesunder Kern

Ernährungswissenschaftler der Uni Jena haben Nüsse als Killerprogramm gegen Darmkrebszellen identifiziert

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Nüsse enthalten mehrfach ungesättigte Fette, Ballaststoffe, Vitamin E, Magnesium und Antioxidantien sowie bioaktive Verbindungen wie Ellagsäure, Anacardsäure, Genistein, Resveratrol und Inositolphosphat. Diese würden unter anderem das Krebsrisiko verringern, so eine Meta-Analyse von Dr. Dagfinn Aune aus Norwegen. Der Epidemiologe und Onkologe, derzeit Professor an der Bjørknes Universität in Oslo, hat die Ergebnisse aus 29 Publikationen zusammengefasst. Das Datenmaterial umfasste 819.000 Teilnehmer. Laut seiner Ergebnisse war die Krebssterblichkeit der Probanden, die regelmäßig Nüsse aßen, um18 Prozent und die Gesamtsterblichkeit um 19 Prozent niedriger. Für koronare Herzerkrankungen sei die „Nuss-Prophylaxe“ noch effektiver. Seinen Auswertungen zufolge senke häufiger Nusskonsum die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sogar um 24 Prozent. Foto: ©depositphotos.com/@ olgamanukyan

Geröstet, gesalzen, gemahlen in Gebäck oder frisch geknackt direkt aus der Schale – wer gerne Nüsse nascht, für den haben Ernährungswissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena eine gute Nachricht.

Nüsse, so zeigen ihre aktuellen Studien, können das Wachstum von Krebszellen im Darm reduzieren. „Bereits seit längerem ist bekannt, dass Nüsse voller Inhaltsstoffe stecken, die gut sind für das Herz-, Kreislaufsystem, die Übergewicht oder Diabetes vorbeugen“, sagt Dr. Wiebke Schlörmann.

Auch ihre vor Darmkrebs schützende Wirkung habe sich bereits in zahlreichen Studien angedeutet, so die Ernährungswissenschaftlerin aus Jena.

In einer jüngst im Fachmagazin „Molecular Carcinogenesis“ veröffentlichten Untersuchung legten die Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Ergebnisse vor, die Mechanismen dieser Schutzwirkung beleuchten.

Demnach beruhe die gesundheitsfördernde Wirkung von Nüssen unter anderem darauf, dass die körpereigene Abwehr zur Entgiftung von reaktiven Sauerstoffspezies aktiviert wird. Diese werde durch Nüsse angekurbelt.

Untersucht haben die Forscher die Wirkung von fünf verschiedenen Nusssorten: Macadamia-, Hasel- und Walnuss sowie Mandeln und Pistazien. Dazu sind die Nüsse künstlich – im Reagenzglas – „verdaut“ worden. Dabei wurde festgestellt, dass etwa die Aktivität der Schutzenzyme Katalase und Superoxiddismutase in den behandelten Zellen ansteigt.

Außerdem werde durch die Verdauungsprodukte in den behandelten Krebszellen der sogenannte programmierte Zelltod induziert.

„Diese Wirkung haben wir bei allen untersuchten Nusssorten nachweisen können“, unterstreicht Professor Michael Glei, der die Studie geleitet hat, die Aussage.

Quellen: Schlörmann W et al. Chemopreventive potential of in vitro fermented nuts in LT97 colon adenoma and primary epithelial colon cells. Molecular Carcinogenesis. DOI: 10.1002/mc.22606. Kontakt: Dr. Wiebke Schlörmann, Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Dornburger Str. 24, 07743 Jena; Dagfinn Aune, NaNa Keum, Edward Giovannucci, Lars T. Fadnes, Paolo Boffetta, Darren C. Greenwood, Serena Tonstad, Lars J. Vatten, Elio Riboli and Teresa Norat: Nut consumption and risk of cardiovascular disease, total cancer, all-cause and cause-specific mortality: a systematic review and dose-response meta-analysis of prospective studies. BMC Medicine2016, https://doi.org/10.1186/s12916-016-0730-3

Nuss-Naschen erlaubt! 
Bevor die Jenaer Forscher jedoch eine Ernährungsempfehlung abgeben wollen, untersuchen sie noch, welchen möglichen Einfluss Röstung oder die Zugabe von Salz auf die nachweislich positiven Eigenschaften der Nüsse hat. Auch über  Menge und Häufigkeit des Nusskonsums wollen die Wissenschaftler noch keine verbindliche Verlautbarung abgeben. Bis dahin heißt es Nuss-Naschen erlaubt, jedoch in kleinen Mengen (nicht mehr als eine Handvoll am Tag) und möglichst naturbelassen, also weder geröstet noch gesalzen. Der Wermutstropfen bei der gesunden Nascherei: Nüsse sind ziemlich kalorienhaltig.
www.uni-jena.de

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