Exportschlager Heine-Puppen

Würzburg gilt als Wiege der modernen Orthopädie

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Ein Nachbau der Heine-Puppen befindet sich in der „Würzburger Prothesensammlung“. Foto: Michaela Schneider

Ein Nachbau der Heine-Puppen befindet sich in der „Würzburger Prothesensammlung“. Foto: Michaela Schneider

Als „Wiege der modernen Orthopädie“ wird Würzburg gerne bezeichnet. Nicht unerheblich trug dazu Johann Georg Heine (1771 – 1838) bei, ein Messerschmied aus dem Schwarzwald.

In die Domstadt mitgebracht hatte ihn im Jahr 1790 der Militärchirurg Carl Caspar von Siebold (1736 – 1807). Der Spross der bekannten Würzburger Siebold-Dynastie hatte verschiedene medizinische Instrumente während seiner Reisen gesammelt und hoffte nun, dass Messerschmied Heine sie ihm nachbauen könne.

Doch der handwerkte im Folgenden noch vielmehr – zum Beispiel einen speziellen Rollstuhl mit Vorrichtung, um die Halswirbelsäule zu entlasten, chirurgische Instrumente aller Art und vor allem seine berühmten „Heine-Puppen“.

Die beweglichen Figuren aus Holz und Metall dienten nicht als Spielzeug, sondern um orthopädische Krankheitsbilder dreidimensional zu veranschaulichen – von der krankhaften Veränderung des Körpers bis hin zu Knochenbrüchen.

Tatsächlich entwickelten sich die „Heine-Puppen“ rasch zum Exportschlager – um die 200 gab es einst. Ein Satz wurde nach St. Petersburg an den Zarenhof verkauft und liegt bis heute in der russischen Metropole.

Ein Nachbau konnte in jüngster Zeit gefertigt werden und ist nun in der „Würzburger Prothesensammlung“ in den Räumen des Zentrums Bayern Familie und Soziales (ZBFS) Region Unterfranken ausgestellt. Heine arbeitete zunächst als Instrumentenmacher für die Julius-Maximilians-Universität.

1802 eröffnete er in der heutigen Heinestraße in Würzburg eine eigene Werkstatt für Prothesen aller Art, für Streckbetten und Rollstühle. Dies war die Geburtsstunde des Berufsbilds des Orthopädiemechanikers.

1816 gründete er das Karolineninstitut als erste orthopädische Heilanstalt auf deutschem Boden. Deshalb gilt Würzburg heute als Wiege der modernen Orthopädie.

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