Bis zur letzten Stunde

Da sein für Sterbende: Mehr als 100 Ehrenamtliche engagieren sich im Hospizverein Würzburg

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Hospizbegleiterin Sigrid Modschiedler ist gläubige Christin, es gibt aber unter den 107 ehrenamtlichen Hospizbegleitern auch Helfer, die aus der Kirche ausgetreten sind, und sogar Buddhisten. Foto: Pat Christ

Sigrid Modschiedler sah schon viele Menschen sterben. Bereits als Jugendliche war sie mit dem Thema „Tod“ konfrontiert.

„Ich arbeitete im Sekretariat eines Krankenhauses“, berichtet die heute 72-jährige Gemündenerin. Später pflegte sie die Eltern und ihren Mann, bis sie starben. Seit zehn Jahren engagiert sich Modschiedler im Hospizverein Würzburg. Sie ist eine von 107 Ehrenamtlichen, die Sterbende aus der Region begleiten.

Seit 25 Jahren gibt es in Würzburg einen Hospizverein. Rund 250 schwerstkranke Menschen werden jedes Jahr bis zu ihrer letzten Stunde begleitet. Für ihren anspruchsvollen Dienst sind die Ehrenamtlichen gründlich ausgebildet. Fast 150 Stunden dauert die Schulung inklusive Praktikum. Daneben werden regelmäßig Weiterbildungen organisiert.

Sigrid Modschiedler begleitet bis zu zehn Sterbende pro Jahr. Kürzlich wurde sie zu einem Mann gerufen, der schwer an Krebs erkrankt war. „Er ist erst 62 Jahre alt“, erzählt die Hospizbegleiterin. Weil keine Angehörigen in der Nähe wohnen, kam er vom Krankenhaus direkt in ein Altenheim. Dort äußerte er den Wunsch nach Hospizbegleitung. Über das Heim kam der Hospizverein in Kontakt mit dem jungen Senior.

Bricht Sigrid Modschiedler zu einem neuen Patienten auf, stärkt sie sich zuvor durch ein Gebet. Sie betet darum, dass die erste Begegnung mit dem fremden, todkranken Menschen, bei der sie mit allem konfrontiert werden kann, von Dankbarkeit bis zu Hader, gut verlaufen wird. Mit dem krebskranken Mann aus Main-Spessart verstand sie sich auf Anhieb. Seit der ersten Begegnung besucht sie ihn jeden Tag – bis er stirbt.

Modschiedlers Engagement entspringt ihrer Religiosität. Das ist nicht bei allen Hospizbegleitern so. Grundsätzlich muss man nicht gläubig sein, um als Hospizbegleiterin zu arbeiten. „Wir sind weltanschaulich neutral“, betont Vorsitzender Wolfgang Engert.

Es gibt zwar viele Christen unter den Hospizbegleitern: „Aber auch Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, und sogar Buddhisten.“

Wer ehrenamtlich im Einsatz ist, erhält dafür kein Geld. Lediglich Fahrt- und Weiterbildungskosten werden erstattet. Finanzmittel benötigt der Verein dennoch in nicht unerheblichem Umfang. So sind Geschäftsräume zu bezahlen, außerdem müssen hauptamtliche Koordinatorinnen finanziert werden. Refinanziert wird die Arbeit vor allem durch die Krankenkassen.

Auch der Bezirk Unterfranken sowie die Stadt Würzburg geben Zuschüsse. Davon alleine könnte die umfangreiche Arbeit nicht bestritten werden. Der Verein muss Spenden- und Sponsorengelder einwerben, er ist auf Mitgliedsbeiträge und Zuwendungen von Stiftungen angewiesen.

Tabu sind Spenden von Menschen, deren Angehörige einmal beim Sterben begleitet wurden. Auf diese Weise möchte sich der Hospizverein seine Unabhängigkeit sichern. „Keiner bekommt mehr oder weniger Hilfe, nur weil er mehr oder weniger zahlen kann“, sagt Engert.

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