Bewusstheit in der Bewegung

Physiotherapeutin Gisela Schreiber über die Feldenkrais-Methode

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„Achtsamkeit ist die Fähigkeit, das was wir erleben, unmittelbar wahrzunehmen, ohne es zu bewerten oder zu verändern“, sagt Gisela Schreiber. Foto: Gisela Schreiber, ©privat

Haben Sie von „Feldenkrais“ schon gehört, wissen aber nicht genau, was das ist? Irgendwas mit Bewegung, irgendwie gut bei Rückenschmerzen, aber keine Therapiemethode und auch kein Fitnesstraining? „Man muss es einfach selbst erleben“, lacht Gisela Schreiber.

Die Physiotherapeutin hat von 1990 bis 1994 die Feldenkrais-Ausbildung absolviert und bietet gemeinsam mit ihrer Kollegin Georgia Schneider im „bewegungs raum“ in der Würzburger Zellerau Feldenkrais-Kurse an. Zudem ist sie im Würzburger „tanzraum“ als Feldenkrais-Lehrerin aktiv.

Entwickelt wurde die Methode von dem israelischen Physiker Moshé Feldenkrais (1904 bis 1984) auf Basis seiner Erfahrungen mit der Judo-Kampfkunst und Bewegungsforschungen, zu denen er durch eigene Verletzungen angeregt wurde. Dabei interessierte ihn weniger die reine Muskelarbeit, als vielmehr die Funktion des Nervensystems bei der Gestaltung von Bewegung: Das Gehirn wird dabei aktiviert und ein Lerneffekt angestoßen. „Feldenkrais hilft, die Wahrnehmung für den Körper in der Bewegung zu schärfen, durch genaues Hinspüren und Ausprobieren“, erklärt Schreiber.

„Welche Muskeln werden aktiv, wenn ich meinen Arm bewege? Welche anderen Körperbereiche bewegen sich mit? Was passiert, wenn ich die Bewegung leicht variiere?“ Dabei gäbe es kein Richtig und Falsch, sondern einfach nur eine Vielzahl an Möglichkeiten.

„Aufgrund unserer Lebensgewohnheiten schränken wir unser Bewegungspotenzial immer mehr ein. Feldenkrais macht es wieder nutzbar.“ Die Methode könne der Gesundheitsvorsorge, der Vorbeugung von Verletzungen und der Rehabilitation nach Unfällen oder Operationen dienen. Eingeschliffene Bewegungsmuster und Fehlhaltungen könnten aufgelöst, Schmerzen reduziert und die Freude an Bewegung (wieder) gefunden werden. Feldenkrais wird in Gruppen- oder Einzelarbeit vermittelt.

„In den Gruppenstunden geht es um ‚Bewusstheit durch Bewegung“: Die Teilnehmenden führen überwiegend im Liegen achtsam kleine Bewegungen aus, die angeleitet werden“ so die 63-Jährige.

Durch Wahrnehmungshinweise lenke sie die Aufmerksamkeit der Schüler auf bestimmte Zusammenhänge im Körper. Die Schulung der Achtsamkeit gegenüber eigenen Bewegungsmustern kann helfen, mehr Leichtigkeit in Bewegungen des Alltags oder beim Sport zu finden.

Die Einzelarbeit, in der auf besondere Fragestellungen eingegangen werden kann, nennt sich „Funktionale Integration“: Hierbei werden die Bewegungen meist nonverbal durch Berührung angeleitet, während die Schüler liegen, sitzen oder stehen. Zu Beginn sind es kleine, sanfte Bewegungen, die nach und nach ausgeweitet werden. Der Schüler kann Bewegungsverbindungen im Körper und Muskelspannungen erspüren und Schritt für Schritt verändern.

„Das Zusammenspiel aller an einer Bewegung beteiligten Einzelkomponenten wird verbessert“, weiß Gisela Schreiber. „Die Bewegungen werden fließender und harmonischer.“

www.bewegungs-raum.de

www.tanzraum-wuerzburg.de

Buchtipp: Moshé Feldenkrais, Bewusstheit durch Bewegung: Der aufrechte Gang, Suhrkamp-Verlag Berlin 1996, Preis: 10 Euro, www.suhrkamp.de

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