Auf den Spuren Hildegards

Neuer Pilgerweg verbindet die Lebensstationen der bis heute aktuellen Volksheiligen

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Wegemarkierung Hildegard von Bingen Pilgerwanderweg. Foto: Naheland-Touristik GmbH/Timo Volz

Sich innerlich reinigen, seelische Altlasten ablegen – das versprechen sich Menschen vom Pilgern. Tausende machen sich alljährlich auf den Weg nach Santiago de Compostela. Doch dies ist nicht die einzige Möglichkeit, pilgernd wieder zu sich selbst zu finden.

Seit Herbst 2017 gibt es einen 137 Kilometer langen Pilgerweg, der die Wirkungsstätten der Hildegard von Bingen miteinander verknüpft. Träger des Projekts ist die Naheland-Touristik GmbH. Der Pilgerweg beginnt in Idar-Oberstein und führt über Niederhosenbach, wo Hildegard im Jahr 1098 vermutlich geboren wurde, zur Klosterruine Disibodenberg.

In der dortigen Frauenklause wurde sie mit acht Jahren Schülerin der Jutta von Sponheim. Über mehrere Etappen geht es weiter nach Bingen am Rhein, wo die Volksheilige 1150 das Kloster Rupertsberg gründete. Sich zu bewegen, wie es seit kurzem die Pilgerer entlang des Hildegard-Wegs tun, war für die Kirchenlehrerin selbstverständlich, sagt Caroline Laura Hahn von der Naheland-Touristik. Denn das Gebet sei in der klösterlichen Tradition stets mit dem Gehen im Kreuzgang des Klosters verbunden gewesen.

Hahn: „Zudem hat sich Hildegard auch immer wieder im Klostergarten und in der freien Natur rund um den Disibodenberg bewegt.“ Über Meditationstafeln nähern sich die Pilgerer Hildegards spirituellem Hauptwerk „Scivias – Wisse die Wege“ an. In dieser Schau von Gott und Mensch in Schöpfung und Zeit beschrieb die Dichterin in 27 Visionsbilder verschiedene Phasen der Heilsgeschichte. Sieben Betriebe entlang der Strecke bieten für höchstens zehn Euro eine „Hildegard-Vesper“ aus regionalen Produkten an.

Kürbissuppe mit Dinkelbrot ist ein Beispiel dafür. Die gesunde Wirkung des Dinkels lobte Hildegard von Bingen bereits im Mittelalter. Der Dinkel war für sie „das beste Getreide“, er sei „warm, fett, reichhaltig und wohlschmeckender als andere Getreidesorten“.

Gerade der Dinkel belegt laut Hahn, dass Hildegards Werk auch nach 850 Jahren nichts an Aktualität verloren hat: „2018 ist das Dinkel-Vollkornbrot Brot des Jahres.“ Das Brot verbinde „einen hohen Genusswert mit ernährungsphysiologischen Vorzügen“, heißt es vom Deutschen Brotinstitut.

Zu den Highlights des in zehn Etappen unterteilten Wegs zählt für Hahn persönlich die bis heute mystisch wirkende Klosterruine Disibodenberg. 39 Jahre hat Hildegard hier gewirkt. Als interessant empfanden die bisherigen Pilgerer auf der ersten Etappe von Idar-Oberstein nach Herrstein, was sie über eine der Infotafeln zum Thema „Edelsteine“ erfuhren.

„Hildegard von Bingen hat die Wirkung von 26 Edelsteinen beschrieben“, erklärt Hahn.

Im Museum am Strom in Bingen erwartet die Besucher auf der neunten Etappe eine große Hildegard-Ausstellung, die das Leben der Kirchenlehrerin anschaulich präsentiert.

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