30 Jahre ehrenamtlicher Patientenbesuchsdienst am Uniklinikum Würzburg

Grüne Damen und Herren

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Aktive und ehemalige Grüne Damen und Herren bei der Feier zum 30-jährigen Jubiläum des Besuchsdienstes. Foto: Helmuth Ziegler / Uniklinikum Würzburg

Seit 30 Jahren besuchen die mittlerweile auch durch „Grüne Herren“ verstärkten „Grünen Damen“ die einsamen und hilfsbedürftigen Patientinnen und Patienten des Uniklinikums Würzburg. Anfang Mai dieses Jahres wurde das Jubiläum der ehrenamtlich Engagierten mit einer Feier am Klinikum unterstrichen.

Aktuell 22 aktive Grüne Damen und vier Grüne Herren besuchen wöchentlich die Kranken in den Kliniken des Uniklinikums Würzburg (UKW). Die unter dem Dach der Caritas organisierten Ehrenamtlichen nehmen sich Zeit für Gespräche, erledigen kleine Einkäufe oder kümmern sich um Organisatorisches. Der Beginn des Hilfsangebots war eine Initiative von Antonio Lucchetta, einem italienischen Sozialarbeiter der Caritas.

Ende des Jahres 1987 stellte er eine kleine Gruppe italienischer Frauen zur Betreuung von kranken Landsleuten am UKW auf die Beine. Wenige Monate später hatten sich auch deutsche Frauen der Gruppe angeschlossen, aus der sich 1988 die deutsch-italienische Krankenhaushilfe der Caritas bildete. Der Name „Grüne Damen und Herren“ leitet sich ab von den mintgrünen Kitteln, die sie bei ihrer Arbeit tragen.

Gottesdienst in der Klinikumskapelle
Anlässlich des 30-jährigen Geburtstags der Initiative veranstaltete das Uniklinikum Würzburg am 4. Mai dieses Jahres eine Jubiläumsfeier. Mit den aktiven und ehemaligen Grünen Damen und Herren sowie den Gratulanten und Gästen kamen dabei rund 70 Personen zusammen. Der Nachmittag startete mit einem Gottesdienst in der Katholischen Kapelle auf dem Klinikumsgelände an der Josef-Schneider-Straße, geleitet von Domkapitular und 1. Vorsitzenden des Caritasverbandes für die Diözese Würzburg, Clemens Bieber, sowie Pater Maximilian Bauer, dem 1. Katholischen Klinikpfarrer des UKW.

Der Bedarf an Besuchsdiensten bleibt hoch
Fortgesetzt wurde die Feier im benachbarten Hörsaal der Universitäts-Kinderklinik. In ihren Grußworten sprachen die Redner den Grünen Damen und Herren höchste Anerkennung und herzlichsten Dank aus. „Nicht nur für unsere Patienten und deren Angehörige, sondern auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Sie eine ganz große Unterstützung“, sagte Günter Leimberger, der Pflegedirektor des Klinikums. Schließlich sei Medizin sehr viel mehr als Medikamente und Operationen, wie Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW unterstrich. Der Würzburger Bürgermeister Dr. Adolf Bauer wies darauf hin, dass durch die zunehmende Vereinsamung der Menschen in Deutschland der Bedarf an Krankenbesuchen, wie sie die Grünen Damen und Herren leisten, weiter steigen wird. Er lag damit ganz auf der Argumentationslinie von Ulrike Haßelbeck.

Die Stellvertretende Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Krankenhaus-Hilfe aus Dortmund nannte in ihrem Grußwort eine Reihe von weiteren Faktoren, warum es auch in 30 Jahren noch klassische Besuchsdienste in den deutschen Krankenhäusern geben wird. So würden zum Beispiel durch das derzeitige Schließen von kleineren Krankenhäusern die Anfahrtswege für Angehörige immer weiter. Wer könne da noch schnell mal einen Besuch bei seinem kranken Verwandten oder Freund machen?
Auch das zunehmende Lebensalter der Menschen bringt Herausforderungen mit sich.

Haßelbeck: „In Krankenhäusern begegnen wir auch auf den ‚nicht-geriatrischen‘ Stationen immer mehr Demenzkranken. Sie sind in der fremden Umgebung verwirrt und unruhig.“ Nach Auffassung der Referentin werden nicht nur die Pflegekräfte, sondern auch die Grünen Damen und Herren in Zukunft noch verstärkt lernen müssen, mit dieser Patientengruppe umzugehen.

„Eine weitere Entwicklung wird sein, dass wir immer mehr Patienten aus unterschiedlichen Ländern haben werden, deren Sprache wir nicht sprechen. Sie haben diese Aufgabe in Würzburg bereits vor 30 Jahren beispielhaft gelöst“, lobte Ulrike Haßelbeck den deutsch-italienischen Krankenhausbesuchsdienst.

Plakette für kreatives Helfen
Diese Kreativität des Helfens stellte auch Domkapitular Bieber in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Für ihn sind die Grünen Damen und Herren kreative Menschen, die immer wieder den richtigen Weg finden müssen, um mit den unterschiedlichsten Kranken in ihrer jeweiligen Situation ins Gespräch zu kommen. Ein Sinnbild für kreative Hilfe ist die Bibelstelle, an der findige Freunde einen Gelähmten über ein Loch im Dach eines Hauses zu Jesus bringen. Dieses Motiv zierte auch die bronzenen Plaketten, die Clemens Bieber während der Feierstunde an alle aktiven Grünen Damen und Herren zum Dank und zur Erinnerung überreichte. Außerdem verlieh der Würzburger Caritas-Vorsitzende das Caritas-Silberkreuz an Irmgard Kentel für ihren zehnjährigen Besuchsdienst als Grüne Dame.

Ehrende Präsente auch vom Uniklinikum
Günter Leimberger setzte seitens des UKW die Ehrung besonders verdienter Ehrenamtlicher fort. Blumen gab es für das Gründerehepaar Maria und Antonio Lucchetta sowie für Annegret Dorsch für ihr 25-jähriges Engagement als Grüne Dame. Der aktuelle Gruppenleiter des Besuchsdienstes, Alfred Fischer, erhielt als Dankeschön für seine Arbeit zwei exzellente Weine. Fischers Stellvertreterinnen Christine Steinmetz und Margarete Wyzgol überreichte der Pflegedirektor Blumen und Gutscheine.
Nach dem Festakt lud das Uniklinikum Würzburg alle Anwesenden zu Kaffee, Kuchen und kleinen Speisen ins Krankenhaus-Casino ein.

Wer sich für eine Beteiligung bei den Grünen Damen und Herren interessiert, kontaktiert Albert Fischer unter der E-Mail: albertfischer08@gmail.com.

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